Was sind Spannungskopfschmerzen?
- Dr. med. Helen Zeytountchian Tensen

- 19. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form von Kopfschmerzen. Sie fühlen sich meist wie ein dumpfer, drückender oder ziehender Schmerz an – oft so, als würde ein enger Ring um den Kopf liegen.
Was unterscheidet den Spannungskopfschmerz von einer Migräne?
Im Gegensatz zu Migräne sind Spannungskopfschmerzen nicht pulsierend und werden nicht stärker bei körperlicher Aktivität im Gegenteil spazieren gehen an der frischen Luft kann den Spannungskopfschmerz verbessern. Der Spannungskopfschmerz tritt beidseits auf, Übelkeit oder Erbrechen fehlen. Der Rückzug bei Empfindlichkeit gegen Licht und Lärm bestehen beim Spannungskopfschmerz nicht.
Was sind typische Symptome von Spannungskopfschmerzen?
Beidseitiger Schmerz (Stirn, Schläfen oder Hinterkopf)
Leichte bis mäßige Intensität
Druck- oder Engegefühl (z.B. Band um den Kopf oder wie ein zu enger Helm)
Verspannte Nacken- und Schultermuskulatur
Keine oder nur leichte Begleitsymptome
Spannungskopfschmerzen können episodisch (gelegentlich) oder chronisch (an mehr als 15 Tagen pro Monat) auftreten. Bei einer Migräneerkrankung können Spannungskopfschmerzen in eine Migräneattacke übergehen.
Was können Ursachen und Auslöser für Spannungskopfschmerzen sein?
Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken v.a.:
Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich
Zähneknirschen (Bruxismus)
Funktionsstörungen im Kiefergelenk, der Kaumuskulatur und den dazugehörigen Strukturen (Craniomandibuläre Dysfunktion)
Fehlhaltungen (z. B. langes Sitzen am Bildschirm)
Stress und psychische Belastung
Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf
Auch Veränderungen in der Schmerzverarbeitung im Gehirn spielen eine Rolle.
Wie entstehen die Spannungskopfschmerzen?
Bei Spannungskopfschmerzen kommt es zu einer Überempfindlichkeit von Schmerzbahnen im Nervensystem. Verspannte Muskeln senden vermehrt Signale an das Gehirn. Gleichzeitig kann die körpereigene Schmerzhemmung weniger effektiv arbeiten. Das führt dazu, dass selbst leichte Reize als schmerzhaft empfunden werden. Der Kopfschmerz ist grundsätzlich eine natürliche Reaktion, wenn das Nervensystem zu stark belastet ist. Der Körper vermittelt uns Signale als Schmerz um eine Änderung des Verhaltens herbeizuführen. Der Körper arbeitet nicht gegen sondern für uns. Wenn wir diese Signale nicht wahrnehmen, kann es zu einer Verschlechterung der Symptome kommen.
Was sind Behandlungsmöglichkeiten bei Spannungskopfschmerzen?
Die Behandlung richtet sich nach Häufigkeit und Stärke der Beschwerden:
Akutbehandlung:
Euminzöl (s.u.)
Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol (weniger als 10 Tabletten/Monat da Gefahr von Medikamentenübergebrauchskopfschmerz s.u.)
Nicht-medikamentöse Maßnahmen v.a. beim chronischen Spannungskopfschmerz:
Entspannungsübungen (z. B. Körpertechniken wie Qi Gong, progressive Muskelentspannung)
Regelmäßige Bewegung
Wärme (z. B. Wärmflasche im Nacken)
Physiotherapie
Verbesserung der Körperhaltung
Vorbeugung
Um Spannungskopfschmerzen vorzubeugen, helfen:
Stressmanagement (Pausen, Entspannungstechniken)
Ergonomischer Arbeitsplatz
Ausreichender Schlaf und regelmäßiger Schlafrhythmus
Regelmäßige körperliche Aktivität am besten Ausdauersportarten wie Joggen
Bei welchen Kopfschmerzen sollte man zum Arzt gehen?
Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe, wenn folgende Symptome auftreten:
plötzlich auftretende sehr starke Kopfschmerzen wie noch nie
neuartige oder ungewöhnliche Beschwerden
anhaltende Lähmungen
anhaltende Sprachstörungen
Fieber und Nackensteife
Diese Symptome können auch auf andere Erkrankungen hinweisen und sollten so schnell wie möglich medizinisch abgeklärt werden.
Was ist Euminzöl?
Euminzöl ist ein pflanzliches Arzneimittel mit hochkonzentriertem Pfefferminzöl (Wirkstoff: Menthol). Es wird äußerlich auf Stirn, Schläfen oder Kopfhaut aufgetragen und vor allem bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt.
Wie wirkt Pfefferminzöl?
Die Wirkung beruht auf mehreren Effekten:
Kühlender Effekt (Menthol aktiviert Kälterezeptoren)
Schmerzlindernd durch Beeinflussung von Schmerzrezeptoren
Muskelentspannend im Bereich von Stirn und Schläfen
Verbesserte Durchblutung der Haut
Dadurch kann der typische Druckschmerz bei Spannungskopfschmerzen reduziert werden.
Was sagt die Studienlage zu Euminzöl?
Für Pfefferminzöl (auch in Form von Euminzöl) gibt es gute wissenschaftliche Hinweise:
Studien zeigen, dass 10%iges Pfefferminzöl bei leichten bis mittelstarken Spannungskopfschmerzen wirksam sein kann
Die Wirkung tritt oft innerhalb von 15-ä30 Minuten ein
In einigen Untersuchungen war die Wirkung vergleichbar mit leichten Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen bei milden Beschwerden
Wann soll ich Euminzöl einsetzen? Die Wirkung von Euminzöl ist vor allem bei frühzeitigem Auftragen am besten.
Anwendung
Dünn auf Stirn und Schläfen auftragen
Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden
Anwendung kann bei Bedarf mehrmals täglich erfolgen
Vorteile
Gute Verträglichkeit
Keine systemische Nebenwirkung (da äußerlich angewendet)
Auch für viele Menschen geeignet, die keine Tabletten nehmen möchten
Was können für möglich Nebenwirkungen bei Euminzöl auftreten?
Hautreizungen oder Brennen
Selten allergische Reaktionen
Nicht empfohlen für:
Kleinkinder (wegen möglicher Atemreaktionen durch Menthol)
Menschen mit sehr empfindlicher Haut
Was sagen die medizinischen Leitlinien zum Einsatz von Euminzöl?
Euminzöl gilt in den Leitlinien als eine sinnvolle nicht-medikamentöse bzw. lokale Therapieoption bei Spannungskopfschmerzen, besonders:
bei leichten bis mittleren Schmerzen
als erste Maßnahme vor Tabletten
oder als Ergänzung zu anderen Therapien
Was ist ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz?
Ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entsteht, wenn Schmerzmittel über längere Zeit zu häufig eingenommen werden. Paradoxerweise führen die Medikamente dann selbst zu Kopfschmerzen.
Betroffen sind häufig Menschen, die ursprünglich an Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden und regelmäßig Schmerzmittel einnehmen.
Wie entsteht der Medikamentenübergebrauchskopfschmerz?
Bei häufiger Einnahme von Schmerzmitteln verändert sich die Schmerzverarbeitung im Gehirn. Das Nervensystem wird empfindlicher, und die körpereigene Schmerzhemmung funktioniert schlechter. Der Kopf „gewöhnt“ sich an das Medikament. Somit entstehen schneller und häufiger Kopfschmerzen. Es werden dadurch erneut Kopfschmerztabletten eingenommen, die wiederum Kopfschmerzen auslösen. Es kommt zu einem Teufelskreis von dauerhaften Kopfschmerzen.
Welche Medikamente können einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz auslösen?
Besonders relevant sind:
Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin
Kombinationspräparate (z. B. mit Koffein)
Migränemittel (z. B. Triptane)
Ab wann spricht man von einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz bzw. einem Übergebrauch von Schmerzmitteln?
Nach den Leitlinien spricht man von einem Übergebrauch, wenn Schmerzmittel an mehr als 10-15 Tagen pro Monat eingenommen werden und dies über mehrere Monate hinweg geschieht.
Das Risiko ist besonders hoch bei:
häufiger Selbstmedikation
fehlender ärztlicher Begleitung.
Was kann passieren bei zu viel Schmerzmitteleinnahme?
Neben den chronischen Kopfschmerzen kann es zu weiteren Problemen kommen:
Verstärkung und Chronifizierung der Kopfschmerzen
Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Magenschmerzen, Magen-Darmblutungen)
Nierenschäden bei langfristigem Gebrauch
Leberbelastung, besonders bei hohen Dosen
Entwicklung einer medikamentenbedingten Abhängigkeit (psychisch und körperlich)
Was sind typische Anzeichen für einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz?
Kopfschmerzen fast täglich, dauerhaft vorhanden
Schmerzmittel helfen kaum mehr gegen die Schmerzen
Bedarf an immer häufigerer Einnahme
Kopfschmerz direkt nach Nachlassen der Medikamentenwirkung
Was empfehlen die Leitlinien bei einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz?
Die wichtigste Maßnahme ist die Reduktion bzw. Absetzen der Schmerzmittel.
Das erfolgt je nach Situation:
Abrupt (plötzliches Absetzen) oder
Schrittweise (unter ärztlicher Anleitung)
Zusätzlich empfehlen Leitlinien:
Aufklärung über den Zusammenhang
Behandlung der ursprünglichen Kopfschmerzerkrankung
Einsatz von nicht-medikamentösen Maßnahmen (z. B. Entspannung, Bewegung)
ggf. prophylaktische Medikamente oder Maßnahmen wie Akupunktur (s. Blog Artikel), um Kopfschmerzen vorzubeugen
Während der Entzugsphase kann es vorübergehend zu einer Verschlechterung der Kopfschmerzen kommen - das ist typisch und meist vorübergehend.
Wie kann man einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz vorbeugen?
Schmerzmittel maximal an 10 Tagen pro Monat einnehmen
Frühzeitig ärztlichen Rat suchen bei häufigen Kopfschmerzen
Alternative Maßnahmen nutzen (z.B. Körperübungen wie Qi Gong)

